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Samebike JG – 20 Klapprad E-Bike im ausführlichen User Review


Unser Leser MW hat sich vor ein paar Wochen ein faltbares E-Bike aus China bestellt und hat uns sein Review exklusiv zur Veröffentlichung bereitgestellt: Hier also das ausführliche Review zum Samebike JG 20 Klapprad E-Bike.

Vorab ein paar Infos zum Samebike und der Bestellung bzw. Lieferung.

Bestellt wurde das Samebike JG 20 am 12. März 2019 bei Gearbest zum Flashsale Preis von 409,- Euro (aktuell liegt der Preis bei Gearbest allerdings wieder deutlich über 500,- Euro).

Hier die technischen Daten von der Gearbest Produktseite im Überblick:

  • 250W motor Elektromotor bis 35° Steigung
  • 8Ah / 36V Li-ion Akku für bis zu 30km rein elektrischer Reichweite
  • 20″ Luftbereifung
  • Größe Gefaltet: 80 x 48 x 68cm
  • Pedal mode, moped mode, and pure electric mode
  • Battery power: 288W
  • Ladezeit: 4 Stunden
  • V-Max: 30km/h
  • Belastbarkeit: 120kg
  • Input voltage: 110 – 240V
  • Bremsen vorne und hinten Scheibenbremse

Inwiefern die Produktdaten zutreffen und welche Punkte beim Samebike JG20 positiv und negativ aufgefallen sind, erfahrt ihr weiter unten im Review.

MW hat seine Erfahrungen mit dem Samebike JG20 in drei verschiedene Kategorien unterteilt: The Good, The Bad und The Ugly, aber lest einfach selbst:

The Good – die positiven Punkte am Samebike JG 20

  • für ca. 410,- Euro frei Haus ist das Klapprad OK, nur so teuer wie ein eher sinnfreier Elektro-Tretroller
  • Verpackung ist gut (alles mit Schaumstoff ummantelt); etwas Werkzeug und “Anleitung” sind dabei
  • guter Klappmechanismus: Rahmen, Pedale, Lenker; auch der Sattel, um den Akku ausbauen zu können
  • geweils zwei (verschiedene) Schlüssel für Akkupack und ‘Zündung’
  • die 6-Gang-Kettenschaltung hat SingleIndexShift-Funktion (“SIS”; Hochschalten auf Knopfdruck)
  • Übersetzungsverhältnis und -spanne der sechs Gänge sind für ein Klapprad einigermaßen angemessen
  • Höheneinstellung von Lenkstange und Sattel ausreichend dimensioniert (bin 1.79m)
  • ‘black in black’, mattschwarze Gesamterscheinung erscheint altmodisch-klassisch
  • 20Zoll-Luftbereifung ausreichend für normale Ausfahrten; es ist ein ‘Klapp-‘, kein ‘Touren-Rad’
  • recht stabiler Gepäckträger; Montage von kleinen Satteltaschen möglich, stabiler Seitenständer
  • Akku kann ausgebaut und extern geladen werden; Rad ist in diesem Zustand leichter und nutzbar
  • Ladegerät kam wie beschrieben mit UK-Netzstecker, aber einem Adapter für deutsche Steckdosen
  • Motorgeräusch (lastabhängiges ‘Heulen’) ist recht gering, ähnlich dem rollender Reifen
  • Der (verbotene) ‘Gasdrehgriff’ ohne Tretunterstützung ist tatsächlich sehr praktisch und auch hilfreich. Vor allem beim direkten Anfahren am Berg oder im großen Gang reicht ein kurzzeitiger Schub für ein paar Sekunden, um schnell Fahrt aufzunehmen, zum Beispiel auf belebten Straßen oder Kreuzungen.
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The Bad – die störenden Punkte des Samebike JG 20

  • lange Lieferzeit (zwei volle Kalendermonate), der zollfreie Versand, über die neue ‘chinesische Seidenstraße’ per Bahn von China über Polen mit UPS, war nicht verfolgbar!
  • Keine Klingel, dafür aber eine Hupe!, elektrisches Licht nur vorne, keine Speichenreflektoren
  • kein LCD-Display (nur ein paar Kontroll-LED), kein Tacho/km-Zähler, keine Luftpumpe
  • Herunterschalten der Shimano-Schaltung ist recht schwergängig (Nachteil der SIS-Funktion?)
  • trotz Verpackungsschutz etliche Kratzer im matten Lack
  •  keine Rücktrittbremse, (mechan.) Scheibenbremsen vorne und hinten sind eher schwach
  • Vordergabel/-holm erscheint beim Bremsen instabil
  • die Tretunterstützung (ohne ‘Gas’) setzt recht verspätet ein, klingt aber lange nach
  • der (verbotene) Drehgriff für den Moped-Modus ist nicht blockierbar (evtl. Eigenbau-Lösung?)
  • die Anleitung ist nahezu nutzlos, enthält keinerlei Betriebshinweise, techn. Daten, Funktions-Erklärung der Motorsteuerung
  • sehr geringe Bodenfreiheit um 80mm bei unterer Pedalstellung (Achtung in Kurven!)
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The Ugly – die wirklich schlechten Eigenschaften des Samebike JG 20

  • das gesamte Rad ist SCHWER, vor allem hinten (wg. des Akkupacks und Radnabenmotors)
  • Lenkerbreite mit 54cm sehr schmal
  • der 288Wh-Akkupack (8Ah, 36V) ist arg unterdimensioniert, die Reichweite knapp bemessen
  • Tretunterstützung ist NICHT in Stufen einstellbar, ‘Gas’-Kontrolle NUR über Drehgriff!
  • Schutzblech hinten war stark verbogen; evtl. beim Auspacken durch mich verursacht?
  • laut Anleitung/Spezifikation Zuladung maxim. 75kg!; maximale Bergsteigefähigkeit nur 15% (Anm. d. Red.: Also deutliche Abweichung von den Angaben bei Gearbest)
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Offene Fragen zum Samebike JP 20

  • kann ein alternativer, zB 480Wh-Akkupack installiert werden (laut GB: nein)?
  • vermutlich passen die Kanister von ALDI/Prophete-Ebikes, da gleicher 4-poliger Boden-Stecker (nicht getestet)
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Notwendiges/sinnvolles Zubehör

Einige Teile sind auf den Fotos bereits installiert:

  • Rücklicht, zB USB-Akku-LED-Licht am Sattel; um 3Euro (AliExpress)
  • Klingel; um 1Euro (AliExpress)
  • Katzenaugen/Speichenreflektoren für beide Räder; um 4Euro (Ebay)
  • elektronischer Fahrradcomputer/Tacho; ab ca. 3Euro (AliExpress)
  • Klapprad-taugliche Packtaschen; ca. 10 Euro (Ebay)
  • separates Bügel-/Rahmen-/Kettenschloss; ab ca. 10Euro
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Gewichte, Daten und Messungen zum Samebike JG 20

  • Gewicht ohne/mit Akku: ca. 20kg/22.5kg (vorne: 7.2kg, hinten: 15.3kg)
  • Übersetzungs-Verhältnisse der sechs Gänge 2.40m/U – 4.80m/U (vorne: 46Z, hinten 14Z-28Z), 1.46m Umfang
  • Geschwindigkeit in verschiedenen Betriebsarten: Moped-Modus: 16-20km/h in der Ebene, <10km/h am Berg; die Tretunterstützung scheint bei ca. 20km/h abzuregeln, ob man hier einen Sensor deaktivieren kann, kann ich zZ nicht sagen, Firmware-‘Hacks’ für diese ‘Saxin’-Technik unwahrscheinlich, weil völlig unbekannt.
  • Reichweite mit Tretunterstützung: nach 27km zeigt das LED-System ca. 2/3 Restreichweite, nach weiteren 25km ist nur noch die erste LED sichtbar; unter Last schaltet der Motor nach insgesamt 52km Fahrstrecke komplett und unmittelbar ab
  • das Ladegerät leistet ca. 80W (regelt ab auf 2W); Komplettladung eines leeren Akkus ca. 5 Stunden
  • laut Energiemessgerät wurden 290Wh in den komplett leeren Akku geladen; nach Abzug der geschätzten Verlustleistung sind das wohl um die 250Wh netto
  • Rechnerisch ergibt dies einen Stromverbrauch von ca. 5Wh/km bei normaler Tretunterstützung im hügeligen hessischen Bergland. Ich bin keine Sports-‘Kanone’ (eher der Typ -‘Wasserpistole’), erreichte bei den beiden Touren Durchschnittswerte um 19.5km/h, habe sogar zwei andere Radler überholt. Für ein Klapprädchen und einen 58-jährigen Physik-Ingenieur ist das recht akzeptabel.
  • Reichweite mit Tretunterstützung: nach 25km zeigt das LED-System ca. 2/3 Restreichweite, nach weiteren 25km ist nur noch die erste LED sichtbar; unter Last schaltet der Motor nach insgesamt 52-54km Fahrstrecke komplett und unwiderruflich ab; auch nach erneuter ‘Zündung’
  • das Ladegerät leistet ca. 80W (regelt ab auf 2W); Komplettladung eines leeren Akkus ca. 5 Stunden
  • laut diversen Energiemessgeräten wurden ca. 230Wh in den ‘leeren’ Akku geladen
  • Rechnerisch ergibt dies einen Stromverbrauch von ca. 4.2Wh/km bei normaler Tretunterstützung im hügeligen hessischen Bergland. Ich bin keine Sports-‘Kanone’ (eher der Typ -‘Wasserpistole’), erreichte bei den beiden Touren Durchschnittswerte um 19.5km/h, habe sogar zwei andere Radler überholt. Für ein Klapprädchen und einen 58-jährigen Physik-Ingenieur ist das recht akzeptabel.
  • Anders formuliert: der Motor verbraucht im Schnitt bei Mischbetrieb um 85W, der 8Ah-Akku reicht in dieser Betriebsart ca. 2.5- 3hr.
  • den reinen Moped-Modus möchte ich z.Z. nicht testen, weil er im Dauerbetrieb den kleinen Nabenmotor ziemlich belasten wird. Energetische Abschätzung ergibt eine theoretische Reichweite im ebenen Gelände von ca. 20km (im Mittel 150-200W, ca. 1-1.25hr bei 17km/h). Im bergigen Gelände dürfte der kleine Akku bereits nach 10-12km im Moped-Modus schlappmachen. Ist halt keine ‘DAX’..
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Verarbeitung des Samebike JG 20

Das Fahrrad kommt ordentlich verpackt, mit viel Schaumstoff-Folien umwickelt, an; Gesamtgewicht des Kartons ist tatsächlich 28kg (diese Zahl wird bei Gearbest für das Rad alleine genannt und ist FALSCH!).

Allerdings ist die Lackqualität dieses mattschwarzen Vintage-Looks eher bescheiden. Kratzer ab Werk sind an vielen Stellen sofort sichtbar, die Schutzbleche extrem dünnwandig (Achtung beim Auspacken: man kann das hintere Schutzblech extrem schnell beschädigen; ist mir passiert).
Der Sattel ist akzeptabel und recht bequem, die Klemmmechanismen durchdacht und ziemlich gut nutzbar. Schweissnähte sind unterschiedlich gut verarbeitet, die Akku-Halterung etwas fummelig. Durch den klappbaren Sattel lässt sich der Akku-Pack nach oben aus dem Rahmen herausziehen.

Die ‘2-Schlüssel’-Lösung für den Betrieb ist gewöhnungsbedürftig, zumal man noch ein DRITTES Schloss benötigt, um Rad/Rahmen gegen Diebstahl zu schützen. Warum man den Akku und die Steuerung separat einschalten muss, erschließt sich mir beim besten Willen nicht.

Es fehlt etliches: Klingel, Speichenreflektoren, Rücklicht, Luftpumpe, Tacho/km-Zähler, Werkzeugtasche etc; einiges davon ist zwingend notwendig, um nicht unnötig ‘negativ’ im Straßenverkehr aufzufallen.

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Technik des Samebike JG 20

Der Akku-Pack des JG20 scheint optisch identisch zu sein mit dem ALDI/Prophete-Design (gleiche Form/Länge und Bodenkontakte am 4-Schlitz-Stecker unten). Allerdings ist die Ladestand-LED-Anzeige oben im Deckel beim Samebike nicht aktiv (oder evtl. auch defekt.). Solche 36V Stangen-Packs findet man mit >=10Ah ab ca. 175Euro bei Ebay. Diese müssten unter den Sattel des Rads auf die Schloss-Schiene passen. allerdings ist diese Angabe bisher noch ohne Gewähr, da noch nicht getestet.
Ich habe gerade ein V&A-Messkabel zur Ermittlung der echten Netto-Kapazität des Akkus gebastelt und will “E=(U*I)dT” integral direkt am Akku beim Aufladen ermitteln.
Das wird aber noch einige Tage dauern, weil der Akku erst wieder leer gefahren werden muss. Das heißt: ich muss >50km ‘strampeln’..
Wenn das von Belang/Interesse ist, dann warten wir mit dem Veröffentlichen, bis diese genaueren Ergebnisse vorliegen.
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Betrieb des Samebike JG 20

Aufbau:

Dank des Klappmechanismus und diverser justierbarer Spannbügel klappt der Aufbau ohne Schwierigkeiten. Das gefaltete Klapprad passt problemlos in den Kofferraum eines normalen PKW. Es ist zwar relativ schwer, aber durch den Ausbau des 2.5kg Akkupacks reduziert sich die Masse um eben diese 10%.

Der Seitenständer ist an der hinteren linken Schwinge befestigt und hinreichend stabil; das Rad steht relativ gerade. Lenker und Sattel lassen sich recht schnell auf die Fahrerhgröße einstellen. Für meine Bedürfnisse (1.79m) reicht beides aus. Was die Maximal-Höhen beider Stellrohre sind, habe ich nicht ermittelt. Allerdings ist die Sitzposition m.E. nicht besonders gut: der Sattel steht zuweit ‘vorne’, müsste mds. 5cm weiter zurückbgestellt werden können, was aber nicht ohne Umbauten am Sattelrohr geht.

Fahren im normalen Tret-Betrieb:

Wegen der recht schmalen Lenkstange (54cm) ist das Fahrgefühl etwas instabil, weil eben das Drehmoment an der Vordergabel nicht optimal ist, alles ein wenig unkontrolliert erscheint. Hinzu kommt das sichtbare und fühlbare ‘Einknicken’der Vorderradgabel bei heftigem Bremsen mit der vorderen Scheibenbremse.

Nicht ohne Grund wurde diese wohl ab Werk eher ‘weich’ eingestellt, um diesen Effekt und das Blockieren zu unterdrücken. Die hintere Scheibenbremse packt ausreichend zu, blockiert auf Asphalt aber ebenfalls nicht. Mir fehlt halt eine richtige Rücktritt-Bremse. Tret- und Rollgeräusche halten sich in Grenzen, die Kette läuft ruhig, die Räder rund.

Die Shimano-Schaltung hat diese neuartige ‘SIS’-Funktion, also sequentielles Hochschalten auf Knopfdruck. Das funktioniert tatsächlich recht gut, allerdings ist das Runterschalten per Drehschalter umso hakeliger und wenig akkurat. Das Fahrrad kommt ohne Klingel, besitzt aber eine kuriose elektrische Hupe! Ich habe meinem Rad eine einfache Klingel spendiert, damit es wenigstens legal aussieht.

Bei typischer Radelfahrt liegt die Trittfrequenz im großen (6.) Gang bei 70-75Upm, also um die 20-22km/h.

Per Knopfdruck kann die einzige Beleuchtung (vorne) eingeschaltet werden. Hinten ist nur ein roter Reflektor installiert. Hier muss eine eigene Lösung, zB mit einer akkubetriebenen Klemmleuchte am Sattelrohr nachgeholfen werden, um nicht unnötig ‘verboten’ aufzufallen (man ist es wg. des Moped-Modus und der fehlenden ABE ohnehin..).

Elektro-Betrieb:

Da dies mein erstes (und auch einziges) Elektro-Fahrrad ist, habe ich keinerlei Vergleichsmöglichkeiten oder Erfahrungen mit solchen Fahrzeugen.

Insgesamt hatte ich mir mehr Tretunterstützung versprochen, war also von der motorischen Leistung etwas enttäuscht. Ein reiner ‘Moped’-Betrieb (ohne Tret-Unterstützung) ist bei dieser Bauart zwar wg. des ‘Gas’-Drehgriffs möglich, allerdings mit sehr bescheidenen Leistungen, sowohl in der Ebene als auch besonders am Berg. Die angeblichn möglichen 25km/h im Moped-Modus werden niemals erreicht, bestenfalls knappe 20km/h. Am Berg quält sich der 36V/250W-Motor als alleiniger Antrieb sehr stark, die Geschwindigkeit sinkt unter 10km/h. Letztendlich hat der Motor in etwa die gleiche Leistung wir ein trainierter, radfahrender Mensch (200W-300W), das ist ein Bruchteil eines Mofa- oder Mokick-Motors (1-2,5kW). Selbst ein Pürierstab in der Küche hat dreimal soviel Leistung!

Echte Ermittlung der Energie-Abgabe bzw. des Stromverbrauchs sind techn. nur schwer möglich, allenfalls über die erzielte Reichweite bei Entleerung des 8Ah (?) Akkus.
Die dreistufige ‘Tank-Anzeige’ hat keine Skalierung; dies macht die Abschätzung der Restreichweite nahezu unmöglich. Mit der ersten Vollladung erreichte ich etwas über 50km, der Akku ist aber noch nicht ‘konditioniert’ und kann evtl. nach mehreren Ladezyklen noch etwas mehr Energie speichern.

Die Tretunterstützung ist nicht wirklich regelbar (außer man schaltet den Motor per Schlüssel komplett ab); sie setzt erst nach einigen Sekunden Treten ein. Mehr Spaß macht das direkte Anfahren per Drehgriff, denn dann zieht der Motor aus dem Stand los. Spürbar beim Mittreten ist sie am ehesten in den kleineren Gängen, erzeugt fühlbaren Schub. Im Schnellgang hingegen merkt man nicht allzu viel vom Antrieb, obwohl man den Motor ‘winseln’ hört.

Hört man auf mit dem Treten, läuft der Motor allerdings erkennbar nach, ca. eine Sekunde. Das kann zu unliebsamen Überraschungen beim Erreichen von Hindernissen oder Kreuzungen führen; man muss sich an das ‘timing’ dieses Zusatz-Antriebs gewöhnen.

Ob ein größerer Akkupack in diese Plastik-Hülle (Standard??) hineinpasst, kann ich mangels Marktkenntnis nicht beurteilen. Man sieht sehr ähnlich aussehende Einschub-Kanister im freien Handel, mit weitaus größerer Energiemenge um 400Wh – 500Wh. Braucht man die für so ein Klapprad? Ich denke vorerst ‘Nein’. Wenn der verbaute kleine Akku allerdings altersbedingt schlapp macht, dann ist die erzielbare Reichweite schnell im kritischen Bereich.

Beide Bremshebel verfügen offenbar über Sensoren, die beim Betätigen den Motorantrieb SOFORT unterbrechen.
Eine erste Ausfahrt (ca 8km) erfolgte problemlos und stressfrei; man ermüdet nicht und das Strampeln hält sich dank des ausreichenden Übersetzungs-Verhältnisses (knapp 5m/Kurbelumdrehung) für ein Klapprad in Grenzen. Ist halt kein Touren- oder Sport-Fahrrad. Entsprechend ist die erschütternd geringe Batterie-Kapazität (288Wh entsprechen 0.03Liter Benzin, damit kommt ein Moped ca 1.5km weit!!) hinnehmbar, denn mit einem Klapprad wird man kaum Radtouren von 70km und mehr am Stück absolvieren wollen. Und dafür müsste diese magere Batterie ausreichen. Ob ein größerer Akkupack in diese Plastik-Hülle (Standard??) hineinpasst, kann ich mangels Marktkenntnis nicht beurteilen. Man sieht sehr ähnlich aussehende Einschub-Kanister im freien Handel, mit weitaus größerer Energiemenge um 400Wh – 500Wh. Braucht man die für so ein Klapprad? Ich denke vorerst ‘Nein’. Wenn der verbaute kleine Akku allerdings altersbedingt schlapp macht, dann ist die erzielbare Reichweite schnell im kritischen Bereich.

Bei einer zweiten Ausfahrt entleerte ich den vollgeladenen Akku in einem Stück auf einer spontanen Radtour über 54km, knapp drei Stunden. Mit diversen Strom- und Watt-Zählern ermittelte ich den Brutto-Ladewert um 230Wh (wenn 288Wh verbaut sind, schaltet der Akku offenbar sehr früh ab).

Der Energieverbrauch lag damit bei ca. 4.25Wh/km (ich selber ‘verbrauchte’ auf der Tour einen Apfel, 1 Liter zuckerarmen grünen NesTea und 50g Zartbitter-Schokolade, also um 550Wh oder um 10Wh/km!).

Da es weder einen Tacho noch einen km-Zähler gibt, hat man letztendlich keine Ahnung, wie schnell und weit man mit dem Rad fährt. Die einzigen Kontroll-Lampen neben dem Gasgriff zeigen den Akku-Stand (3LED, keine Skalierung) sowie den Einschaltzustand (1 LED) an.

Was die zweite LED daneben soll, ist nicht erkennbar. Die LEDs sind bei Sonnenlicht nicht sichtbar.

In der Betriebsanleitung steht ohnehin ÜBERHAUPT nichts über die verbaute Elektrik, die Funktion und Benutzung des motorischen Antriebs! Auch im Internet ist absolut nichts zu finden über den Hersteller ‘Saxin’, der diese Elektrik und Steuerung konzipiert hat.

Überlegungen:

  • sinnvoll wäre es, die Spannung am LED-Display abzugreifen und direkt auf ein kleines LCD-Voltmeter zu leiten; damit wäre die Batteriespannung/Restladung sehr präzise messbar.
  • sinnvoll wäre es, das vordere Kettenblatt durch ein etwas größeres (+2-4Zähne?) zu ersetzen, um auf über 5m/Kurbelumdrehung zu kommen.
  • Eine Arretierung des ‘Gas-Drehgriffs’ wäre aus legaler Sicht vonnöten; evtl. durch eine lösbare Verschraubung unten am Handgriff ans Elektronik-Gehäuse (dort sitzt bereits eine Schraube).
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Fazit:

Würde ich es nochmal kaufen: eher nicht! Würde ich es verkaufen: auch nicht! Werde ich es benutzen: hoffentlich oft! Kann man es empfehlen: bedingt!

Es ist ein ‘budget bike’ für geizgeile Gelegenheits-Demmler, nicht mehr und nicht weniger. Es ist und bleibt (wie nahezu alles in unserem Land) verboten, obwohl es im Vergleich zu den fragwürdigen Elektro-Rollern und ihren wackeligen Rollschuh-Rädchen ein richtiges, praktisches und durchaus nutzbares Fahrzeug darstellt, als Klapprad ideal zum Mitnehmen im Auto oder Camper ist.

Seine ‘klassische’ Konstruktion ist deutlich funktionaler als die ähnlich teuren Modelle von ‘Fiido’ (D1, D2).

Samebike bietet neben diesem klassischen ‘old school’ Klapprad noch diverse modernere Varianten, tlw. mit Guss- statt Speichenrädern an (zB. 20LVXD30), bei denen der Akku offenbar im zentralen Rahmenrohr verbaut ist. Diese Modelle verfügen im Gegensatz zum JG20 auch über deutliche bessere Motorisierung (bis 350W,48V,10Ah).

5 Testergebnis
Fazit zum Samebike JG20

Das Samebike JG 20 ist für den Betrieb in Deutschland bedingt empfehlenswert. Durch die Drehgriff-Steuerung des Elektromotors ist das Samebike JG 20 nicht StVO konform und trotzdem ist der Praxisnutzen deutlich höher als bei vergleichbar teuren China E-Bikes ohne Gangschaltung.

PROS
  • gutes Preis-Leistungsverhältnis
  • guter Klappmechanismus
  • Akku austauschbar
CONS
  • hohes Gewicht
  • schmaler Lenker
  • offiziell nur 75 kg Zuladung
Nutzerwertung: 5 (1 votes)

Es wäre interessant, diese Variante mal direkt mit dem von mir erworbenen JG20 zu vergleichen. Tester an die Pedale!

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Samebike FG 20 Anbieter und Alternativen:

Aktuell ist das Samebike FG 20 bei Gearbest um 550,- Euro gelistet. Eine günstigere Alternative zum FG 20 von Samebike ist das Fiido D1. Das Fiido verfügt zwar nicht über eine Gangschaltung, ist dafür aber auch leichter und meist unter 400,- Euro zu bekommen.

Alternativ gibt es auch von Fiido noch das Modell D2 mit Gangschaltung, dazu liegen uns aber noch keine persönlichen Erfahrungsberichte vor.

Hier gehts zum Samebike JG 20 bei Gearbest


2 Comments
  1. Vielen Dank für die sehr ausführliche Review und die Mühe, die du dir damit gemacht hast.
    (Sollte irgendwie belohnt werden 😉 )

  2. Nachtrag 14.Juni 2019:
    nach ca. 180km Gesamtfahrstrecke und der 3. Akku-Ladung hat das Pedelec von sich aus die unterstützende Endgeschwindigkeit von 20km/h auf 25km/h erhöht! Hier war wohl eine ‘Konditionier’-Phase integriert ab Werk (wo?, wie?), die den Akku schonend einfahren sollte?
    Das klingt zunächst gut, hat aber zwei Haken:
    1) ein Klapprad ist mit 25km/h nicht sinnvoll zu fahren, zumal die Kadenz (=Tretfrequenz) dann bei 90Upm liegt. Bei 20km/ war das Treten mit 75Upm akzeptabel und auch komfortabel.
    2) die ohnehin begrenzte Akku-Reichweite von ca 54km ist durch diese erhöhte Fahrgeschwindigkeit auf nunmehr 40.44km gesunken. Das ist arg knapp und hat mich gestern bei der Radtour ‘auf dem falschen Fuß’ erwischt; ich kam nicht mehr den letzten Berg zu meinem Haus hoch…

    Da díeses JG20 über keine echte Leistungsregelung, Stufen-Schalter etc verfügt, kann man diesen permanenten Anschub oberhalb 20km/h nicht wirklich limitieren: demmelt man, schiebt es weiter an, demmelt man nicht, hört die Unterstützung komplett auf.
    Mir war der Urzustand ab Werk (Unterstützung bis 20km/h) weitaus lieber. Die damit erreichbare Durchschnittsgeschwindigkeit, Tritthilfe und Reichweite waren deutlich alltagstauglicher als jetzt.

    Wer sich mit solchen Pedelecs, der Motorsteuerung (hier: ‘Saxin’) bzw. Technologie des ‘Rücksetzens’ auf Auslieferzustand von Akku und/oder Controller auskennt, bitte melden.

    Vermutlich sind nur sehr wenige JG20 verkauft worden, man findet online nichts über deren Technik und Funktion. Diese Review hier bei gadgetwelt ist vermutlich die weltweit umfangreichste überhaupt zu diesem Fahrrad.

    Kontakt: “SameBikeJG20” bei Gmail

    Danke!

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